Kind & Kegel

Pubertierende Mädels – Hilfe rettet mich!

Ich muss mir jetzt mal den Frust von der Seele tippen…

Bei uns ist grad richtig Stimmung!!! Mittlerweile habe ich den Rückzug angetreten und mich hinter den PC geklemmt, damit ich nicht ausraste… Normalerweise würden sich mein Mann und ich in solchen Momenten jetzt ablösen, aber der befindet sich mal wieder auf Dienstreise.

Meine Kleine ist noch total erledigt von ihrer Impfung gestern und die Große ist am Durchdrehen. Die Nachbarn freuen sich wahrscheinlich wieder, was hier für eine Stimmung herrscht und ich würde gerade lieber in einem Wellnesstempel verweilen, als mir das Geschrei, Gezeter, Türen und Stifte -Geknalle und entsprechende welterhellende Kommentare meines Fast-Teenies anzuhören.

Die Luft ist dick, sag ich euch…

Und das alles nur wegen einer Mathehausaufgabe, die meine Motte trotz verschiedener Hilfestellungen nicht gelöst bekommt. In den letzten Jahren haben wir uns bei solchen oder ähnlichen Problemen oft zu ihr gesetzt und mit verschiedenen Beispielaufgaben immer von Neuen angefangen ihr den Stoff zu vermitteln.  Am Ende saßen wir eigentlich die gesamte Hausaufgabenzeit neben ihr und sie hat sich immer mehr auf uns verlassen und weniger an sich und ihre Fähigkeiten geglaubt.

Ich kenne ihren Leistungsstand sehr gut und weiß, an welchen Stellen ich eventuell noch einmal unterstützen muss. Bei dieser Aufgabe weiß ich genau, dass sie sie lösen kann. Alle Aufgaben, die vorher dran waren, konnte sie ja auch lösen.

Es geht momentan um die Uhrzeit und sie sollte aufschreiben, wie viele Minuten zwischen 17:23 Uhr und 18:10 Uhr liegen. Kinder müssen hierbei den Schritt schaffen, dass eine Stunde 60 Minuten hat und sie nicht bis 100 rechnen können.

Naja, nachdem ich jedenfalls nach dem Abendbrot feststellte, dass diese Aufgabe noch nicht fertig ist und zu ihr meinte, dass sie doch wisse, dass erst die Hausaufgaben zu machen sind, bevor sie in den Hof zum Spielen geht, kam folgende Antwort meines Fast-Teenies:

„Ich wollte doch gar nicht in den Garten!“

Nach einiger Diskussion setzte sie sich zumindest an den Schreibtisch und packte ihre Sachen aus. Da es eine Sachaufgabe war, erwähnte ich noch, dass sie bitte die Aufgabenstellung mit ins Heft übernimmt:

Antwort (lautstark):

„Warum muss ich das eigentlich immer machen, die Anderen machen das ja auch nicht.“

Sie fing jedoch an und ich ließ sie rechnen. Als sie mir ihr Ergebnis präsentierte und ich ihr sagen musste, dass ihre Lösung leider falsch ist, wusste ich natürlich schon was jetzt kommen würde: Der absolute Ausraster mit Geschrei, Gebrüll und Geheul. Und auch in mir stieg die Wut.. Ich hatte mich auf einen ruhigen Ausklang des Abends gefreut und jetzt das. Ich wollte jetzt keine Auseinandersetzung, denn der Tag war lang, ich  war müde und irgendwie einfach k.o.

Mit Atemübungen versuchte ich ruhig zu bleiben und brachte stattdessen lieber unsere Kleine ins Bett. Mittlerweile war es deutlich nach 19:30 Uhr… Immer wieder steckte die Große ihren Kopf aus ihrer Tür und rief mir ein Ergebnis zu… Ich verneinte und wiederholte im monotonen Singsang, dass sie daran denke solle, dass eine Stunde nur 60 Minuten hätte… Es folgte natürlich wieder Geheul und Geschrei.

Leider sind unsere Wände sehr hellhörig und an das Zimmer meiner Tochter grenzt das Kinderzimmer der Nachbarskinder… (Im übrigen noch nicht schulpflichtig, so dass die Eltern auch noch nicht wissen, was ihnen blüht…) Ich hingegen weiß nur, dass ich mir bei Gelegenheit wieder entsprechende Kommentare a la:

„Na, da war ja gestern wieder was los bei euch…“

anhören darf.

Nachdem die Kleine im Bett war, ging ich wieder zur Großen und bat um Ruhe (wegen der Nachbarn. Eigentlich auch ätzend, dass man sich da so nach richtet. Weiß ich auch selbst, aber da kann ich einfach nicht aus meiner Haut..)

Antwort (lautstark):

„Ich kann nicht ruhig sein und außerdem bin ich zu dumm! Du kannst mir ruhig sagen, dass ich zu dumm bin.“

Meine Antwort:

„Du bist nicht dumm. Nur unkonzentriert. Jetzt konzentriere dich bitte, dann ist das auch ganz schnell erledigt.“

Ich verließ wieder das Zimmer. Kurze Zeit später kam sie zu mir ins Wohnzimmer gestürmt.

Sie: „Nur damit du es weißt, ich habe jetzt alles weggepackt. Gute Nacht!“

Ich: „Hast du die Aufgabe fertig?“

Sie: „Nein! Tschüss!“

Ich: „Und nun?“

Sie: „Wir kontrollieren es ja morgen in der Schule!“

Ich: „Und du meinst, dass dich das weiterbringt?“

Sie: „Ist mir doch egal!“

Wie ich diese Tage hasste, wenn es wieder soweit war. Wenn man morgens schon merkt, dass die Luft zum Schneiden dick ist. Wenn man ahnt, dass das heute noch nicht alles gewesen ist. Ich war müde und wütend. Wütend darüber, dass ich nun in dieser Siutation steckte und nicht wusste, wie ich sie jetzt möglichst sanft beenden könnte. Meine Tochter war grad mittendrin in ihrem Wutanfall, so schnell würde sie sich nicht beruhigen. Ich kenne sie und ich kenne auch mich. Es war besser grad möglichst viel Raum zwischen uns zu lassen, denn wir sind beide starke Persönlichkeiten.

Sie verschwand also in ihr Zimmer und heulte nun in ihrem Bett. Die Kleine rief nach mir und sagte, dass sie nicht schlafen könne, es wäre so laut. Daraufhin sagte ich ihr, dass könne sie ja mal ihrer großen Schwester sagen (Nicht grad die beste Antwort, aber ich hoffe ihr kennt sie selbst diese Momente in denen man etwas sagt, was man später für völlig deplatziert hält). Die Kleine tappelte jedenfalls in das Zimmer der Großen und bat um Ruhe, weil sie so nicht schlafen könne (mittlerweile war es nach 20 Uhr).

Die Große antwortete:

„Ich kann nicht ruhig sein, da kannst du dich bei deiner Mutter bedanken.“

Sie schob ihre kleine Schwester aus ihrem Zimmer und knallte ihre Tür zu.

Ähm ok. Ich kochte mittlerweile innerlich. Ich war also wieder Schuld? War ja klar, wer auch sonst!

Nun hatte ich natürlich zwei heulende Kinder (grrr). Ich atmete tief durch und tröstete zunächst die Kleine und brachte sie wieder ins Bett. Anschließend ging ich erneut zur Großen, um zu fragen, ob sie es denn nicht doch noch einmal ein letztes Mal probieren wolle. Aufgeben sei ja auch keine Lösung!

Sie: „Weiß ich noch nicht! Ich überleg es mir!“

Natürlich wie immer lautstark und voller Wut und Zorn in der Stimme.

„Bleib ruhig“ sagte ich mir und verließ wieder das Zimmer, um mich an diesen Artikel zu setzen…

Nach einer Weile kam sie raus und präsentierte ENDLICH das richtige Ergebnis (natürlich 47 Minuten. Nur der Vollständigkeit halber noch einmal erwähnt, denn die Zahl werde ich so schnell nicht vergessen, weil ihr „Nicht-Vorhandensein“ in den Antworten meiner Tochter mir mein letztes bisschen gute Laune gekillt hatte und ich wieder einen dieser Kämpfe austragen musste, die ich so hasste).

Ihr merkt meine Anspannung.. Ich tue mich immer schwer damit ruhig zu bleiben, das gebe ich offen zu. Die Impulsivität liegt mir sozusagen im Blut. Aber auch ich lerne viel in solchen anstrengenden Auseinandersetzungen mit meinem Fast-Teenie. Über mich, über sie und über uns. Das unsichtbare Band zwischen uns, dieses Mutter-Tochter-Band, ist schon manchmal spröde, aber es darf nicht reißen. Ich muss versuchen ruhig zu bleiben, um ihr Halt zu bieten. Und natürlich ist mir eigentlich auch klar, dass es völlig normal ist, dass sie sich an mir abarbeitet. Aber bist du in der Situation direkt drin, dann ist es doch manchmal schwer einen kühlen Kopf zu behalten. Doch dieses Band zwischen uns ist mir so wichtig. Wir dürfen nicht beide dran ziehen. Es darf sich dehnen, aber niemals reißen.

Der Weg an den Computer war jedenfalls heute für mich der Richtige. Das Niederschreiben hat mir geholfen. Es hat mir geholfen meine eigene Wut abzumildern. Es hat mir geholfen nicht nur in der Situation festzustecken, sondern auch ein Sicht von oben vornehmen zu können. Auf uns und auf unsere Beziehung zueinander. Aber auch auf mich. Wie ich bin und wie ich eigentlich sein möchte. Ich möchte für sie da sein in dieser schwierigen Phase, aber manchmal stehe ich mir da selbst im Weg.

Das richtige Ergebnis ist nun jedenfalls endlich gefunden. Das Mädel hat es, trotz Riesentheater, alleine geschafft die Lösung zu finden und liegt nun endlich in ihrem Bett und schläft.

Ich versuche nun einfach das Positive an der ganzen Nummer zu sehen und werde bei der Auswertung des heutigen Abends morgenfrüh, nachdem ich bestimmt wieder folgende Worte von ihr höre:

„Es tut mir leid wegen gestern. Entschuldigung. Können wir uns wieder vertragen. Ich mach das auch nie wieder.“ (Wir alle wissen, spätestens nach einer Woche ist dieser Satz vergessen und das Theater geht bei einem anderen Thema von vorne los),

antworten:

„Du kannst stolz auf dich sein, denn du hast es ganz alleine gelöst.“

Dann werde sie in den Arm nehmen und hoffen, dass wir diese anstrengende Phase, die sich Pubertät nennt, beide unbeschadet überstehen. Aber ich glaube zu einem Entspannungskurs werde ich mich trotzdem anmelden, damit ich lerne ruhiger zu bleiben nicht immer euch mein Leid klagen muss.

In diesem Sinne: Danke fürs zuhören bzw. lesen.

Bis Bald

Sylvi


Mit diesem Beitrag bewerbe ich mich für den scoyo ELTERN! Blog Award 2016

 

 

 

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7 Kommentare zu „Pubertierende Mädels – Hilfe rettet mich!

      1. Au weia, ich kann das gut verstehen… Ich glaube, wir hatten seinerzeit auch jede Menge Arbeiten, haben es aber eben von der anderen Seite aus betrachtet… Ich kann mich nicht erinnern, dass meine Eltern so viel mitgearbeitet haben, es hieß vor allem nie, dass „wir“ noch lernen müssen, etwas, was ich heute so schlimm finde, dass wir als Mütter/als Eltern und ständig so einbringen (müssen/wollen). Ich habe das Gefühl, dass Schule früher mehr ein Thema zwischen Lehrern und Schülern war, oder täusche ich mich/täuscht mich die Erinnerung? Ach, ich weiß es auch nicht. Bei uns ist das Gefecht für Geschichte und Mathe eben in die nächste Runde gegangen. Was für ein Sonntag… Puhhhh.

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      2. Das stimmt schon: Meine Eltern haben nie wirklich mit mir gelernt. Irgendwie war ich da selbständiger. Die Noten interessierten schon. Bei unserer Tochter habe ich das Gefühl, dass sie nicht weiß, wie sie beim Lernen vorgehen soll und dann eher verzweifelt und die Zeit absitzt, als das sie diese effektiv nutzt. Ich würde mich gerne weniger einbringen, aber ich weiß, dass dann einiges gegen den Baum gehen würde ( was ja grundsätzlich auch in Ordnung wäre), nur in noch nicht mal mehr einem Jahr geht es bei uns um die Entscheidung Gymnasium oder Mittelschule und da möchte man natürlich das Beste für das eigene Kind. Jetzt könnte man wieder darüber diskutieren, warum schon nach der vierten Klasse über den weiteren Bildungsweg der Kinder entschieden wird, aber das ist am Ende müßig, denn das System wird sich so schnell nicht ändern – leider! Generell versuche ich aber auch bei Fächern, die für die Bildungsempfehlung nicht relevant sind, wie bspw. Ethik, dass sie dies völlig alleine hinbekommt. Euch wünsche ich dennoch einen schönen Sonntag und Durchhaltevermögen beim Lernen. Worum geht es in Geschichte? Habe ja Geschichte und Politik auf Lehramt studiert, 🙂

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      3. Weise und wahre Worte. Du sprichst mir aus der Seele. Man will immer nur das Beste, man hat – lässt man das Ganze laufen – dann doch ein schlechtes Gewissen… Eine Endlosspirale, so scheint es mir. Und ich habe genau das gleiche Gefühl, dass Kinder heute nicht mehr lernen, wie man eigentlich lernt. Aber wo gründet dieser Missstand? Wird schon in der Grundschule zu viel auf das Elternhaus gesetzt oder sind es die Eltern selbst, die sich heutzutage viel zu viel einbringen und dann schalten die Lehrinstitute lieber einen Gang zurück? Ich weiß es nicht, wahrscheinlich liegt die Wahrheit, wie so oft, irgendwo in der Mitte. Es ist dennoch ein Akt zum Verzweifeln, aber wie du schreibst, das System wird sich (so schnell) nicht ändern.

        In Geschichte geht’s um die Griechen, Scherbengericht, Demokratie, Volksgericht, Sparta, Persische Kriege usw. Es geht voran. In klitzekleinen Schritten, aber jeder zweite Zwischenton ist ein genervtes „Hä“ und „Was willst du denn? Das haben wir nicht geleeeernt.“ Grrrr. 😉

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