Allgemein · Papa's Sicht auf die Dinge

Das Joghurtbecher- oder auch Umkehrdilemma (Gastbeitrag von meinem Lieblingsmann)

Heute gibt es mal einen Gastbeitrag von meinem Lieblingsmann über den allwöchentlichen Wahnsinn des Lebensmitteleinkaufes oder wie mein Mann es so schön genannt hat: Das Joghurtbecher- oder auch Umkehrdilemma! Ich wünsch euch viel Spaß beim Lesen!


Hallo,

ich

ich bin Volker, der einzige Mann in dieser Familie. Ich hab es hier schon manchmal echt nicht leicht. Von meinem Leben allein unter Frauen und dem alltäglichen Familienwahnsinn, aus meiner Perspektive, werde ich ab nun ab und zu berichten. Heute möchte ich mich einem Thema widmen, was mich seit Jahren richtig gehend belastet… Aber lest selbst!

 

 

 


 

Das Joghurtbecher- oder auch Umkehrdilemma

Es ist wieder einmal Freitag.

Hinter uns liegt der allwöchentliche Lebensmitteleinkaufsmarathon,  um für die kleinen und großen „Heuschrecken“ in dieser Familie ausreichend Grundnahrungsmittel für die kommende Woche vorrätig zu haben. Und wie sollte es anders sein, quillt auch diese Woche der Wagen wie immer über.

Ich könnte diesen Beitrag auch mit dem Titel versehen: „Das Umkehrdilemma“, denn damit fängt alles an.

Umkehrdilemma

Cleverer Weise ist in den meisten Kaufhallen das Angebot so sortiert, dass die großen und schweren Artikel zu Beginn in den Wagen geladen werden. Auf dem ersten Blick macht es Sinn, denn Saftkartons auf der Eierpackung erscheinen unzweckmäßig. Das Dilemma nimmt jedoch an der Kasse seinen Lauf.

Dort werden zuerst die oben liegenden leichten Artikel, wie Joghurts, Wurst- und Käseaufschnitt oder Lauchzwiebeln auf das Laufband gelegt, dann erst gelangen die darunter liegenden Saftkartons, Obstdosen, Melonen usw. ans Tageslicht. Diese Vorgehensweise würde jedoch dazu führen, dass nach dem Scannen beim Einladen der vorerst positive Effekt sich ins Gegenteil dreht und nun die schweren Artikel auf den Leichteren liegen würden.

Diesen Umstand versuche ich bereits während des Einkaufgeschehens entgegenzuwirken, indem ich einen logischen Beladeplan des Wagens während des Einkaufs anstrebe. Mit dieser Methode stoße ich jedoch regelmäßig auf völliges Unverständnis beim Rest meiner Familie. So landen oft zahlreiche Artikel unkoordiniert im Wagen, die durch alle Familienmitglieder aus den verschiedensten Richtungen und Regalen zusammengetragen werden. Letzte Chance dem vorprogrammierten Unglück präventiv entgegenzuwirken bietet sich an der Kasse.

Also ist es bereits Tradition, dass das Ausladen und Beladen des Laufbandes sowie das anschließende erneute Einladen in den Wagen meine Aufgabe ist. Dabei ernte ich nicht selten böse Blicke durch andere wartende Passanten an der Kasse, da allein durch die bloße Menge unseres Einkaufes wir ein gesamtes Laufband in voller Länge blockieren. Nicht selten muss der/die KassiererIn warten, bis ich mit dem Ausladen am anderen Ende fertig bin. Währenddessen werden immer wieder einzelne Artikel von hinten nach vorne und umgekehrt verschoben, um beim Beladen meinem Idealbeladeplan gerecht zu werden.

An dieser Stelle mögen mich vielleicht einige Leser bereits für verrückt erklärt haben, doch grundsätzlich hat sich inzwischen meine Methode als zweckmäßig erwiesen. Das Ziel, die gesamte Beute wohlbehalten und noch brauchbar bis zum Auto für den Weitertransport nach Hause zu verbringen, wird in 98% aller Fälle erreicht.

Die übrigen 2% sind der Einstieg in das „Joghurtbecherdilemma“.

Der Versuch gezielt bestimmte Artikel in einer festgelegten Reihenfolge aus dem Wagen zu kramen, ähnelt eher einem Mikado-Spiel. Während ich unter den nervösen Blicken anderer versuche die Dosen mit Tomatenstückchen von ganz unten ans Tageslicht zu bringen, passiert es: Wieder einmal habe ich meine Fingernägel in einen der strukurschwachen Aludeckel eines Joghurt- oder Sahnebechers gepresst. Nun sind dort deutlich Löcher im Deckel zu erkennen, die sich nicht mehr verheimlichen lassen und auf den Verursacher schließen lassen, nämlich mich.

Aus Erfahrung gibt es jetzt in diesen Fällen drei Möglichkeiten, wie die/der VerkäuferIn reagiert.

  1. Sie/Er bietet an, den Artikel zu tauschen, sehr zur Freude der hinter Dir in der Schlange wartenden Kunden.
  2. Du kannst den Artikel an der Kasse zurücklassen. Spätestens jetzt fängt die kleinste Tochter jedoch an lautstark ihr Unmut zu äußern, weil es genau den Joghurt erwischt hat, den sie sich persönlich aus gefühlt 1000 Sorten ausgesucht hat.
  3. Für die Becher mit durchgedrücktem Deckel erhältst Du nun eine Klarsichttüte, damit Du den Artikel zumindest unfallfrei nach Hause transportieren kannst. Achtung: Die Haltbarkeit ist jedoch nicht mehr gegeben, also schnell verbrauchen.

Tipp: Kurze Laufbänder und kleine Ablageflächen hinter der Kasse werden durch die Händler bewusst eingesetzt. Das bringt den Kunden dazu, seine Ware schneller als gewöhnlich aus- bzw. einzuladen und führt zu schnelleren Abfertigung- und Durchlaufzeiten. D.h. aber auch einen künstlich erzeugten Stress beim Kunden. Regelmäßig fühle ich mich in einem Battle mit der KassiererIn, wer schneller ist. Also nicht anstecken lassen. Nimm dir die Zeit, die du brauchst.

Die Wahrscheinlichkeit für weitere Missgeschicke nimmt ab jetzt noch weiter zu.

Als nächster Schritt gilt es den gesamten Einkauf in die mitgeführten IKEA-Tragetaschen ins Auto umzuladen. Jetzt sollte sich mein Beladeplan auszeichnen, denn nun kann der Einkauf nach Gewichtsklassen und Größe in die Taschen umgeladen werden.

So eine IKEA-Tragetasche erweist sich anfänglich als sehr praktisch. Mir ist kein anderes Tragesystem mit mehr Packvolumen bekannt. Dies ist vor allem für Vertreter der  „Packesel-Methode“ von Vorteil. Wir wohnen in der dritten Etage und der nächste Parkplatz war wieder einmal nur in der Nebenstraße zu bekommen. Daher belade ich mich wie ein Packesel, riskiere Blutabschnürungen in der Schulter und den Händen, bevor ich mit kleineren Beuteln den ewigen Weg mehrmals laufen muss.

Doch zuerst noch die kleinen Monster hinten sicher anschnallen und auf geht’s nach Hause. Während meine Frau auf dem Beifahrersitz die an der Kasse ausgelegte Werbung über die Angebote der nächsten Woche studiert, bereite ich mich innerlich schon auf die größte Herausforderung vor.

Mit nur zwei Durchläufen schleppe ich alle IKEA-Taschen, Cola- oder Wasser-Sixpack‘s sowie Toilettenpapierrollen usw. in die Wohnung. Die Sherpas einer Himalaya-Expedition würden sich vermutlich vor Anerkennung verneigen und mich in ihre Community aufnehmen. Doch mein persönliches Glücksgefühl, etwas Einzigartiges geleistet zu haben, wird durch eine kurze Bemerkung meiner Frau schlagartig zerschmettert: „Was ist das für eine Spur durchs Treppenhaus?“

Auch jetzt merke ich an meiner rechten Seite etwas Nasses. Die sofort eingeleitete Ursachenforschung beweist leider recht schnell, was ich schon längst vermutet habe.

Die in sich instabilen IKEA-Tragetaschen haben sich beim Tragen durch das Überschreiten des wohl zulässigen Gesamtgewichtes verformt. Dadurch verrutschten einzelne Artikel und ausgerechnet die Wurst- und Käseaufschnitt- Packungen rammten sich mit ihren scharfkantigen Ecke in einen der Joghurtbecher oder, noch schlimmer, Sahnebecher. Die Folge ist, dass ich nicht nur wie Hänsel & Gretel den Weg markiert habe, sondern der Inhalt sich in der gesamten  Einkaufstasche verteilt hat. Joghurt verhält sich dabei recht friedlich. Durch die dickflüssigere Konsistenz läuft es nicht so unkontrolliert aus der Packung. Schlagsahne dagegen ist ein echtes Feindbild. Wer schon mal versucht hat eine 30% fettige und schmierige Schicht abzuwischen, weiß wovon ich rede. Und das auch noch bei fast dem gesamten Inhalt der Tasche.

Nun könnte man sagen, dass dies bei Einkaufsstiegen nicht passiert wäre. Doch durch die begrenzte Möglichkeit der Zuladung und der notwendigen Zwei-Hand-Tragemethode wäre ich vermutlich 10mal vom Auto bis in die dritte Etage gelaufen. Die Wissenschaftler unter euch haben vermutlich recht, dass auf Grund der goldenen Regel der Mechanik es keinen Unterschied macht, ob ich weniger Wege mit mehr Gewicht, statt mehr Wege mit weniger Gewicht laufe. Für mein persönliches Empfinden aber schon.

Also verbringe ich die nächste Stunde damit zuerst das Treppenhaus zu wischen, bevor die Spur die Nachbarn direkt zum Übeltäter in unsere Wohnung führt. Anschließend widme ich mich jeden einzelnen Artikel und danach der Tasche selbst. Ein Tipp aus der Praxis für die Praxis: warmes Fitwasser funktioniert gut, nur die Tomaten schmecken danach etwas komisch.

So frage ich mich nur allzu oft, während ich beim Saubermachen bin und mich meine Frau wiederholt belehrt meine „Packesel-Methode“ zu überdenken, wie man nur so dämliche Verpackungen von Joghurt oder Sahne konstruieren konnte. Ich kann doch nicht der Einzige sein, der seine Einkäufe auf dem Weg von der Kaufhalle bis in die Wohnung gewissen mechanischen Belastungen aussetzt.

Doch an dieser Stelle beginnt die große Diskussion der Verpackungsindustrie. Merkmale, wie geringes Gewicht, kostengünstig und / oder ansprechende Präsentation der Produkte spielen hierbei eine große Rolle. Darüber werde ich vermutlich einen eigen Beitrag schreiben müssen…

Doch nun Schluss, ich habe noch einiges zu tun.

Bis Bald,

Volker

 

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4 Kommentare zu „Das Joghurtbecher- oder auch Umkehrdilemma (Gastbeitrag von meinem Lieblingsmann)

  1. Sehr unterhaltsamer Beitrag und so viel wahres dran! Könnte auch von meinem Märchenprinz geschrieben sein, der ist nämlich das Einlade-Auslade-Verpackungsgenie bei uns in der Familie.

    Mich würden ja auch mal Deine Gedanken zum Thema „Warum stehen die Tiefkühltruhen immer im hinterletzten Winkel des Einkaufsladens, so dass man mit den TK-Produkten durch den halben Laden rennen muss, während man versucht möglichst schnell den restlichen Einkauf zu erledigen, damit das Zeug nicht noch im Geschäft, sondern vorzugsweise im Kofferraum auftaut“ interessieren. Im Normalfall dreht man ja eine Runde im Einkaufsladen und landet bereits nach kurzer Zeit bei den Tiefkühltruhen, hat die Hälfte des Ladens (und gff. eine ewig lange Schlange) aber noch vor sich. Das macht mich z.B. im Kaufland total irre!

    LG Lotti

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